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"Den Arsch aufreißen, um die anderen vor uns herzutreiben"

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Katharina Nocun, 26, ist die neue politische Geschäftsführerin der Piratenpartei.

(SZ) Katharina Nocun ist soeben zur neuen politischen Geschäftsführerin der lustigen Piratenpartei gewählt worden. Eine Frau von 26 Jahren, die sich interessanterweise sprachlich an Werner Lorant und Udo Lattek orientiert. Lorant und Lattek sind zwei alte Fußballtrainer, im weiteren Sinne Piratengreise, zu deren Vokabular die Wendung gehörte, man müsse sich für den Erfolg den 'Arsch aufreißen'. Frau Nocun erweiterte jetzt diese Aufforderung. 'Wir müssen uns, verdammt noch mal, den Arsch aufreißen, um die anderen vor uns herzutreiben.' Ein Appell an die Leidensfähigkeit der Piraten: Jemanden vor sich herzutreiben ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Es in körperlich derart aufgeriebenem Zustand zu tun, kann, verdammt noch mal, sehr schmerzhaft sein.



Die neue Geschäftsführerin der Piratenpartei Katharina Nocun beim Bundesparteitag in Neumarkt in der Oberpfalz.

In ihrem Vortrag bewies die Geschäftsführerin - ein Kind des Copy "n" Paste-Zeitalters - dennoch ein feines Geschick, entlegene Dinge miteinander in Berührung zu bringen. Die Weisheiten von Lorant&Lattek hat jedenfalls noch keiner so bruchlos mit denen des FDP-Chefs Philipp Rösler verklebt. Der hatte kürzlich davon gesprochen, die Freidemokraten würden bis zur Bundestagswahl die anderen vor sich hertreiben - eine Formulierung, die sich zur Lieblingsfloskel aller Kleinen und Schwachen im politischen Betrieb auszuwachsen scheint. Klingt nicht schlecht: die anderen vor sich hertreiben, gemeint sind hier CDU und SPD. Ein herrlicher Werbeclaim, der aus dem Bereich des Politischen durchaus in den des Sportlichen zurückzuführen ist. Man spricht nicht mehr davon, abgehängt zu sein und keine Chance mehr zu haben, man färbt das Passive ins Aktive um. Die Spielvereinigung Greuther Fürth zum Beispiel, Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga, hat die gesamte Saison über die anderen vor sich hergetrieben und vor allem den FC Bayern dazu gebracht, sämtliche Rekorde zu pulverisieren. Der Skispringer Eddie 'the Eagle' Edwards, ewig Letzter bei allen Wettbewerben, war in Wirklichkeit ein unverdrossen brummender Motor. Das ungefähr ist der Fingerzeig hinter der Rede von Katharina Nocun, er weist in Richtung Paradies. Wo es nur Treibende und Getriebene gibt, gibt es keine Verlierer mehr.

Die großen Philosophen von Monty Python haben in ähnlichem Zusammenhang mal König Artus gegen den Schwarzen Ritter antreten lassen, am Ende des Schwertkampfs ist der Hintern des Ritters in tadellosem Zustand, dafür hat er keine Arme und Beine mehr. Da ruft er: 'Also gut, einigen wir uns auf unentschieden.' Mit Blick auf die Wahl kann man sagen, dass es da kein Unentschieden gibt. Und dass derjenige, der die Meute trotzig jagt, am Ende trotzdem als Letzter ins Ziel trudelt. Katharina Nocuns große Rede hat an der privilegiert-aussichtslosen Lage ihrer Partei erst mal nichts ändern können, laut Meinungsumfragen treiben die Piraten derzeit sogar die FDP vor sich her.

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