Die Piraten wirkten in den letzten Monaten weniger wie eine Partei und vielmehr wie eine Selbsthilfegruppe in der Endlos-Therapie.
Claudia Roth war Managerin der Rockband Ton Steine Scherben. Sie war Pressesprecherin der grünen Parlamentarier in deren ersten Jahren im Bundestag; sie ist langjährige Vorsitzende der Partei. Kurz gesagt: Claudia Roth hat viel erlebt. Am Sonntag saß sie nun bei der Matinee der Zeit in den Hamburger Kammerspielen mit dem Parteichef der Piraten, Bernd Schlömer, zusammen. Der beklagte gerade das Hauen und Stechen im Vorstand seiner Partei, da ergriff Roth Schlömers Hand, hielt sie kurz ganz fest und sagte: 'Das kenn" ich auch.'
Den Piraten fehlen Richtung und Thema.
Und doch lassen sich die jahrelangen Positionskämpfe und personellen Querelen der frühen Grünen nicht mit dem Irrsinn vergleichen, den gerade die Piraten aufführen: In den Umfragen ist die Partei von ihrem Frühjahrshoch von 13 Prozent bei der Bundestagswahl auf einen Stimmenanteil um die fünf Prozent geschrumpft; der Vorstand der Partei droht sich nach nur einem halben Jahr im Amt zu zerlegen, die Partei scheint in Auflösung begriffen zu sein.
Die Piraten in den vergangenen Monaten, das war, wie einer Selbsthilfegruppe bei ihrer Endlos-Therapie zuzuschauen. Nahezu jedes Thema, das den Piraten Aufmerksamkeit brachte, handelte von ihnen selbst: die teils bizarren Auftritte ihres politischen Geschäftsführers Johannes Ponader, die Buchveröffentlichung des Vorstandsmitglieds Julia Schramm, die Unfähigkeit der Piraten in Niedersachsen, eine Kandidatenliste für die Landtagswahl aufzustellen. Bot sich der Partei dann doch eine Chance, sich zu profilieren, versagte sie zuverlässig: bei der Debatte um Nebeneinkünfte der Abgeordneten genauso wie bei ihrem Anliegen, Copyright und Leistungsschutzrechte neu zu konzipieren.
Die Grünen hatten immer ein Thema, das nicht von der Partei selbst handelte: die Ökologie. Das wirkte disziplinierend; inmitten kräftezehrender Debatten ließ sich immer noch ermattet fragen: Wollten wir nicht über Inhalte sprechen? Bei den Piraten sind die Piraten selbst der Inhalt. Ihre zentralen Forderungen, Transparenz und direkte Demokratie, thematisieren vor allem die Form des politischen Diskurses, sie sind geprägt durch den Umgang im Internet. Letztlich sind die Piraten ein Versuch, die Strukturen des Internets auf den politischen Betrieb zu übertragen. Der ist offenbar gescheitert. In der analogen Welt fanden die Piraten weniger Zustimmung für das, was sie sind, sondern vor allem für das, was sie nicht sind: gewöhnlich. Auf Dauer ist dies für eine Partei zu wenig.
Angesichts der Streitigkeiten der Piraten kann es gut sein, dass schon nach der Bundestagswahl keiner mehr von ihnen redet. Genugtuung über diesen Niedergang wäre jedoch komplett falsch. Denn selbst die vielleicht nur vorübergehende Popularität der Piraten zeigt, dass sich abseits der etablierten Parteien eine Vielzahl an Stimmen ihren Weg in die Politik suchen. Die oft ins Feld geführte Politikverdrossenheit scheint da nicht mehr als eine Schutzbehauptung zu sein - für die Unlust oder gar Unfähigkeit mancher Politiker, sich mit dieser Welt auseinanderzusetzen.
Claudia Roth war Managerin der Rockband Ton Steine Scherben. Sie war Pressesprecherin der grünen Parlamentarier in deren ersten Jahren im Bundestag; sie ist langjährige Vorsitzende der Partei. Kurz gesagt: Claudia Roth hat viel erlebt. Am Sonntag saß sie nun bei der Matinee der Zeit in den Hamburger Kammerspielen mit dem Parteichef der Piraten, Bernd Schlömer, zusammen. Der beklagte gerade das Hauen und Stechen im Vorstand seiner Partei, da ergriff Roth Schlömers Hand, hielt sie kurz ganz fest und sagte: 'Das kenn" ich auch.'
Den Piraten fehlen Richtung und Thema.
Und doch lassen sich die jahrelangen Positionskämpfe und personellen Querelen der frühen Grünen nicht mit dem Irrsinn vergleichen, den gerade die Piraten aufführen: In den Umfragen ist die Partei von ihrem Frühjahrshoch von 13 Prozent bei der Bundestagswahl auf einen Stimmenanteil um die fünf Prozent geschrumpft; der Vorstand der Partei droht sich nach nur einem halben Jahr im Amt zu zerlegen, die Partei scheint in Auflösung begriffen zu sein.
Die Piraten in den vergangenen Monaten, das war, wie einer Selbsthilfegruppe bei ihrer Endlos-Therapie zuzuschauen. Nahezu jedes Thema, das den Piraten Aufmerksamkeit brachte, handelte von ihnen selbst: die teils bizarren Auftritte ihres politischen Geschäftsführers Johannes Ponader, die Buchveröffentlichung des Vorstandsmitglieds Julia Schramm, die Unfähigkeit der Piraten in Niedersachsen, eine Kandidatenliste für die Landtagswahl aufzustellen. Bot sich der Partei dann doch eine Chance, sich zu profilieren, versagte sie zuverlässig: bei der Debatte um Nebeneinkünfte der Abgeordneten genauso wie bei ihrem Anliegen, Copyright und Leistungsschutzrechte neu zu konzipieren.
Die Grünen hatten immer ein Thema, das nicht von der Partei selbst handelte: die Ökologie. Das wirkte disziplinierend; inmitten kräftezehrender Debatten ließ sich immer noch ermattet fragen: Wollten wir nicht über Inhalte sprechen? Bei den Piraten sind die Piraten selbst der Inhalt. Ihre zentralen Forderungen, Transparenz und direkte Demokratie, thematisieren vor allem die Form des politischen Diskurses, sie sind geprägt durch den Umgang im Internet. Letztlich sind die Piraten ein Versuch, die Strukturen des Internets auf den politischen Betrieb zu übertragen. Der ist offenbar gescheitert. In der analogen Welt fanden die Piraten weniger Zustimmung für das, was sie sind, sondern vor allem für das, was sie nicht sind: gewöhnlich. Auf Dauer ist dies für eine Partei zu wenig.
Angesichts der Streitigkeiten der Piraten kann es gut sein, dass schon nach der Bundestagswahl keiner mehr von ihnen redet. Genugtuung über diesen Niedergang wäre jedoch komplett falsch. Denn selbst die vielleicht nur vorübergehende Popularität der Piraten zeigt, dass sich abseits der etablierten Parteien eine Vielzahl an Stimmen ihren Weg in die Politik suchen. Die oft ins Feld geführte Politikverdrossenheit scheint da nicht mehr als eine Schutzbehauptung zu sein - für die Unlust oder gar Unfähigkeit mancher Politiker, sich mit dieser Welt auseinanderzusetzen.